Sur l´eau - Linke Liste
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Wahlprogramm / election manifesto
I Programm in Deutsch / election manifesto in german
II Programm in Englisch / election manifesto in english
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I
Für ein Antifa-Referat an der Uni
Es wäre wohl pure Gewalt am Begriff des Antifaschismus, diesen zum einen auf eine plumpe Anti-Nazi-Haltung zu reduzieren, wie es zum anderen auch ähnlich falsch wäre diesen am Bild schwarz-vermummter Gestalten zu denunzieren. Für uns gilt es vielmehr als Grundsatz an dem festzuhalten, was Adorno treffend formulierte, eben alles dafür zu tun, „daß Auschwitz sich nicht wiederhole, nichts ähnliches geschehe.”
Von diesem Punkt aus wollen wir Antifaschismus daher zu allererst verstanden wissen als eine kritische Auseinandersetzung mit der Gesellschaft, ja mit der gesellschaftlichen Konstitution und seiner Genese überhaupt. So sind es Theorie, Kritik und das bessere Argument, die wir als geeignete Mittel der Auseinandersetzung sehen, um für einen Zustand einzutreten, der treffend im Hier und Jetzt als die zwanglose Assoziation freier Menschen formuliert werden könnte. Die Bewegung der Gesellschaft im Auge zu haben und eben die fortwährenden Bedingungen, die Auschwitz ermöglichten, als solche zu denunzieren, nicht weniger, ist unser Anspruch. So soll ein Antifa-Referat eine permanente und tief greifende Auseinandersetzung mit Antisemitismus, Fremdenfeindlichkeit, Rassismus und der Gesellschaft ermöglichen.
Bilinguale Uni
An der Universität treffen Studierende mit verschiedensten Lebensentwürfen, Vorstellungen vom Leben und wie es sein sollte bzw. könnte und aus vielen Regionen der Welt aufeinander. In einem Anspruch auf Barrierefreiheit wäre es das Gröbste einen gemeinschaftlichen Austausch und ein Miteinander auf Augenhöhe zu ermöglichen. Ein wichtiger Punkt und eher eine Mindestforderung ist es für uns, diesen Anspruch mit einer Forderung nach einer wirklich bilingualen Universität zu verbinden, in der es zumindest zum common sense gehört, weite Teile des universitären Raums durch die englischen Sprache zu öffnen. So banal diese Forderung klingen mag, so real ist ein universitärer Alltag, in dem es oft schon an Speiseplänen oder am Campusplan hapert. Ausgrenzung fängt an vielen Punkten an und so wäre es vielleicht nur ein kleiner, aber doch wichtiger Schritt, auf einen Alttag zu pochen, der eben nicht durch die deutsche Sprache bestimmt ist.
Kein Thema ist auch ein Thema
Forderungen nach einer internationalen Universität, höherem Bafög, einer familienfreundlichen Uni oder auch das Auftreten gegen Studiengebühren … das alles hören Studierende immer und immer wieder. Gerade im Wahlkampf und manchmal leider nur dort, haben diese Schlagwortthemen Hochkonjunktur. Nicht, dass wir jetzt etwas gegen diese Forderungen hätten. Nein, ganz und gar nicht. Vielmehr ist für uns die ehrliche Frage: “Wer sollte denn dagegen sein?” Sich in den besagten Bereichen zu engagieren, ist richtig und wichtig, doch plädieren wir dafür, diese Punkte als einen Standard zu verstehen, hinter den es nicht zurück zu fallen gilt. Der selbst gegebene Auftrag ist daher, weiterzudenken und in der Hochschulpolitik über den sprichwörtlichen Tellerrand diverser Basics zu schauen, sowie ein politisches und gesellschaftskritisches Profil zu entfalten und natürlich auch ernsthaft zu vertreten. Abseits wirtschaftlicher Umverteilungsdebatten oder einer Sachstandsverwaltung wie sie in Forderungen nach mehr Bafög oder gegen Studiengebühren oft ihren Ausdruck findet, müsste es vielmehr darum gehen, ein Verständnis der Uni zu etablieren, als einen Ort, an dem Menschen die kritische Auseinandersetzung mit der Gesellschaft suchen.
Mit aufklärerischem Pathos gesagt, geht es nicht um einen Wissenschaftsbetrieb, der sich einem Namen nach schon seines kritischen Gehalts entledigt hat, sondern darum, sich aus seiner/ihrer selbst verschuldeten Unmündigkeit zu befreien.
Gendern und zwar subito!
Allen Gleichstellungsregelungen zum Trotz drängt sich der Eindruck auf, an einer von Männern dominierten und durch sexistisches Klima geprägten Uni zu studieren. So hat die Studierendenkarte durch ihren Namen fast schon Ausnahmecharakter. Immerhin wird sie vom Studentenwerk ausgestellt, dem Namen nach eine Einrichtung von Männern für Männer. Dennoch muss es überraschen, wenn Hochschulgruppen aller Couleur im Stura gegen die sprachliche Gleichberechtigung von Frauen an der Uni votieren. Dabei ist jedoch vor allem wichtig zu betonen, dass selbst die sprachliche Gleichbehandlung von Frauen und Männern der Tatsache nicht gerecht wird, dass es sich bei dem binären Geschlechtermodell “Frau/Mann” um eine soziale Konstruktion handelt die aufs Engste verknüpft ist mit zahllosen zugeschriebenen Rechten, Pflichten und Dispositionen und keineswegs um eine unveränderliche biologische Gegebenheit.
Wir wollen uns deswegen für die Gleichberechtigung aller Studierenden einsetzen und als ersten Schritt eine möglichst sächliche und geschlechtsneutrale sprachliche Regelung in allen Gremien, Institutionen und Verwaltungseinrichtungen durchsetzen. Bei Formulierungen, die dies nicht zulassen, gilt es uns als selbstverständlich, eine Sprache zu wählen, die nicht nur Männer anspricht. Wir denken, das sollte nicht erst irgendwann geschehen, sondern subito!
Für eine Ethik-Deklaration
Die Universität ist kein hermetisch abgeriegelter Raum, der als hoffnungsvolle Enklave in der vollends verwalteten Welt existiert. Dem folgend finden hier die gleichen Konkurrenz- und Unterdrückungsmechanismen statt, wie wir sie auch außerhalb des universitären Rahmens finden. In ihrer offensivsten Form zeigen diese sich dort, wo viele Studierende aufeinander treffen, sei es bei Studierendenpartys oder bei Veranstaltungen abseits des Lehrbetriebs. Da kann es schon mal vorkommen, dass sich der Türsteher bei der Studiparty zu rassistischen oder sexistischen Äußerungen hinreißen lässt oder Studierende Veranstaltungen verlassen müssen, wenn sie nicht länger bereit sind, sich fremdenfeindlichen Äußerungen ausgesetzt zu sehen.
Wir streben die Ausarbeitung einer Ethik-Deklaration an, die sich deutlich gegen rassistische, sexistische oder antisemitische Unterdrückung ausspricht. An diese Deklaration sollen alle Veranstaltungen, Einrichtungen und Institutionen gebunden werden, die sich in irgendeiner Form aus studentischen Geldmitteln finanzieren. Eine langfristige Finanzierung von Projekten, wie sie vor allem im Stura entschieden wird, sollte von der Einhaltung der vereinbarten Grundsätze abhängig gemacht werden, nicht um den Uni-Alltag zu beschneiden, sondern um ihn für alle zu öffnen und um die Uni samt ihrer Einrichtungen als einen Raum zu definieren, in dem man ohne Angst verschieden sein kann.
…
II
For an antifascist working pool in student council
It would almost be violent to reduce the term of Antifascism to a clumsy anti-Nazi attitude, as it would also be wrong, to denounce it to an image in form of black disguised people. In fact, for us, it is an important principle to hold on to what Adorno phrased, namely to do everything we can “to arrange…thoughts and actions so that Auschwitz will not repeat itself.”
According to that, first of all, we want Antifascism to be understood as a critical dealing with society, as well as with the social constitution and its emergence at all. Therefore, theory, criticism and the stronger argument are what we consider to be the appropriate methods for dealing with society, in order to advocate a state that here and now could be formulated as the unrestricted association of free human beings. To keep in mind the movement in society and the denunciation of the constant progressive conditions, that made Auschwitz possible, nothing less is our claim. Thus, an Antifa-working pool shall enable a permanent and profound dealing with anti-Semitism, xenophobia, racism and society.
Bilingual University
In an university, students with most different plans for their life, as well as different approaches to life and how it should be or could be, and people coming from different regions of the world, meet. In demanding to break down barriers, it would be most rough to make it possible to have a minimum of a common exchange at eye level. An important point and rather a minimum requirement it is for us to connect this claim with a demand for a bilingual university, in which it at least belongs to the common sense to open up wide areas of the university with the English language. As banal as this claim may sound, it is reality in the everyday life of a student, who often even fails to read the menu or the plan for the campus. Social exclusion starts at many points, and therefore, it may be a small but important step to insist on an everyday life, which is not determined by the German language.
No topic can also be a topic
Claims for an international university, higher student loans, a family-friendly university and to stand up for the avoidance of tuition fees…all of these claims, students have to listen to again and again. Particularly in the field of the election campaign, unfortunately sometimes only then, these topics boom. Not that we have anything against these claims. No, not at all. In fact, the honest question for us is: “Who should be against it?” To be involved in the aforesaid field is right and important, but we plead to understand these topics as a standard, behind which we should not fall back. Therefore, the self-given task is to think further, to broaden our horizon in university policy, as well as to develop a political and socio-critical profile and of course, to represent it seriously. Apart from economical debates about redistribution or the administration of the state of affairs, which is often expressed in the demand for a higher student loan or against tuition fees, it should be all about establishing an understanding about university, as a place where people look for a critical dealing with society. To say it with the pathos of enlightment: It is not about a scientific establishment, which already gets rid of it`s critical content, because of it`s name, but frees itself form it`s self-caused un-freedom (in this context un-freedom means Unmündigkeit as meant by Kant).
For linguistic equality
Despite all the rules for equalization, one has to get the impression, to study on an university, which is dominated by men and characterized by a sexistic climate. Therefore, the student card1 is almost an exception, because of it`s name. Anyhow, it is issued by the student union2 , by name an institution of men for men. However, suprisingly almost all university workgroups in student council voted against the linguistic equalization of women in university. Though, above all, it is important to stress, that even the linguistic equalization of men and women does no justice to the fact, that the binary gender model “woman/man” is a social construction, which is closely connected with innumerable attributed rights, duties and dispositions and by no means an unchanging biological condition. That`s why, we want to stand up for the equalization of all students and, as our first step, to assert a preferably neuter and gender-neutral linguistic regulation in all committees, institutions and constitutions for administration. With formulations, for whom that is not possible, for us it is natural to choose phrases, which do not only address men. In our opinion, that should not happen sometime, but subito.
For an ethics declaration
University is no hermetic blocked room, which exists as a hopeful enclave in the completely administered world. That`s why, here the same competition and oppression mechanisms take place, as we can find them outside the university. In their most agressive form, they show themselves where many students meet, for instance at student-parties or events apart from the lectures in university. At these events, it is indeed possible, that the doorman makes a racist or sexist comment or students, which are not willing to accept such xenophobic offenses, have to leave. We aim for the elaboration of an ethics declaration, which comes out against racist, sexist or antisemitic opression. All events, facilities and institutions, financing themselves from student funds, shall be bound to the declaration. A long-term financing of projects, for which above all the student council votes, should be dependent on the observance of the agreed maxims. In doing so, we do not want to curtail the everyday life of university, but to open it up for everybody and to define university and it`s institutions as a room, in which someone can be different without being afraid.
1. student card translated to German is Studierendenkarte, Studierende is a neutral expression for female and male
2. student union translated to German is Studentenwerk, Studenten are masculine students, the feminin equivalent