Im Sommer packt einen immer die Reiselust, mir geht es zumindest so. Und irgendwie verschlägt es mich oft in Richtung Osten. Da war ich sehr erfreut, dass die FMA dieses Jahr, so wie die letzten Jahre auch, wieder eine Exkursion nach Minsk angeboten hat.
Da in Weißrussland noch Visumspflicht herrscht ist dies ein Land, welches man nicht so schnell alleine bereist. Sich dennoch dort an der Uni um zu sehen und Studenten kennen lernen ist ein Angebot, was ich nicht abschlagen konnte.
So ging es im September mit dem Schlafwagen in Richtung Minsk. Von der Verspätung der Bahn mal abgesehen, wurden dann irgendwann am frühen Morgen die Räder gewechselt. Das haben wir mehr oder weniger verschlafen.
Der Empfang war in Minsk sehr herzlich. Und allen Menschen, denen wir begegnet sind, haben uns herzlich empfangen, da wirken wir Deutschen meist sehr kühl.

Campus mit independents place im Vordergrund
Was auch auf dem Campus auf dem ersten Blick auffällt, ist die viele Militärpräsenz. Vielleicht weil Magdeburg keine Militärakademie hat. Hier merkt man, dass doch etwas anders ist. Aber ich will jetzt nicht über Politik reden. Man spürt schon dass dieses Land zwischen Sozialismus und Liberalisierung steckt, zwischen der wirtschaftlichen Abhängigkeit von Russland und kleinen Schritten in Richtung Europa.
Untergebracht waren wir im Studentenwohnheim. Toilette im Flur, Dusche im Keller, ein Zimmer für drei Studenten. 2 Schränke, 3 Betten, 1 Schreibtisch. Die meisten haben noch ein Kühlschrank und jeder einen Computer untergebracht. Das Zimmer ist richtig voll und "Privatsphäre" gibt es nicht. Dafür preisgünstig. Kühlschrank und Computer sind zum heizen jetzt im Herbst doch sehr wichtig. Da das Wetter sehr Herbstlich war (<9°) und die Fenster nicht dicht, haben wir bei Temperaturen um die 16° in unserem Zimmer die noch nicht funktionierende Heizung vermisst. Aber wir waren ja nicht oft dort.
So besuchten wir Vorlesungen (zum Glück auf Englisch), schauten Stadt, Museen, die Nationalbibliothek und vieles mehr an ...

Nationalbibliothek
Das wichtigste war aber der Austausch mit dem Studenten. So gibt es in Weißrussland keine Beschränkung zu studieren. Wenn du einen vorgegebenen Notenschnitt hält, dann fördert dich der Staat mit 50€ im Monat. Was nach aussagen des Prorektors über 50% der Studenten betrift. Dazu kommt, dass ein Durchschnittseinkommen zwischen 90 bis 120€ liegt Ein Professor verdient 400€ im Monat. Dabei sind Miete und Energie wesentlich billiger als bei uns, letzteres dank Russland. Auch Lebensmittel sind etwas günstiger, aber dann hört es auch schon auf. Kleidung, Drogerieartikel und vor allem Technik ist teurer als bei uns. Das macht einen bei der ein oder anderen Hartz IV Debatte in Deutschland zumindest nachdenklich. Aber darum geht es mir hier nicht.

1€ = 3000 Weißrussische Rubel
Der Vorlesungsstoff ähnelt unserem sehr, so hat doch der Professor die gleichen Bücher wie wir in seinem Büro stehen. Ich weiß nicht ob man von seinem Büro reden kann, er muss es sich mit seinen Mitarbeitern, Hiwis und Sekretärinnen teilen.

Verwaltungsgebäude der Uni
Für die Studenten gibt es auch nicht die Möglichkeit so viel zu wählen, sie werden in eine Art Klasse eingeteilt, die einen gemeinsamen Stundenplan haben.
Es gibt noch viel mehr Eindrücke, von denen ich berichten kann. Aber vielleicht hat der ein oder andere ja nächstes Jahr Lust das selbst zu entdecken.
Besonders gefreut habe ich mich, dass ich einige Studenten hier Magdeburg begrüßen konnte. So sind ein paar hier um ein Semester bei uns zu studieren und letzte Woche kamen einige zu Besuch, so dass ich ihnen unsere Uni und Magdeburg zeigen konnte.