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da waren sie wieder, gehetzte gesichtszüge, gespitzte lippen, geschärfter blick! tollkühn und zu jeder aktion bereit, um das eigene zu sichern!
schnelle schritte kündigen es an, das ziel anvisieren, das ziel verfolgen, das ziel erreichen, koste es was es wolle! mit schnellen schritten zum erfolg!
was sich anhört wie ein taschenbuchratgeber für manager (manager – leben ; leben – manager) die ihr selbstbewusstsein in der krise verloren haben und nun wie ein zahnloser wolf durch die midlife crisis jagen mit einem gehörigen ballast an selbstzweifel und kritik aber dennoch mit dem bewusstsein großartiges geschaffen zu haben und natürlich, noch zu schaffen vorhaben, ist es nicht.
und wenn es sich schon „so anhört“, dann ist es bekanntlich nicht das was es scheint. nein, diese tierischen, niedrigen instinkte und vorgehensweisen sieht man heut zutage in einer vielfarbenden facette des herkömmlichen lebens.
ein intendant könnte die, im neudeutschen: „eventtheater“ genannte schauspielkunst, nicht besser auf die bühnen der welt bringen.
nehmen wir das brechtsche theater, fürs leichtere „nachschlagen“, auch googeln genannt: episches theater.
man kommt sich in seiner umgebung stellenweise wie im dialektischen theater vor… nein, das leben ist ein dialektisches heater…
Personen:
in den hauptrollen heute:
senioren jeder altersschicht, die jugendgeneration 40+, eine breite ja-sager masse und diejenigen, welche sich im ungewollten auditorium fragen: „was soll das ganze da vorn!“ ebenso zu gleichen teilen: fremdschämen.
Episode –EINS–; Szene –EINS–
Die Post!
es ist 8:50 uhr, ein verhangener, trüber montagmorgen. die sonne sticht vereinzelt durch die dicken quellwolken. der wind weht mäßig über den vorplatz.
die offizielle öffnungszeit der post ist auf 9:00 uhr angesetzt und schon zum oben genannten zeitpunkt stehen drei leute im kleinen vorraum der bank, der nach außen durch eine massive glastür abgetrennt ist.
8:55 uhr.
mittlerweile stehen in einer wohlgeformten schlange vor dem gebäude sechs personen. die anspannung ist zu spüren, es liegt nervosität in der luft. unter den sechs personen befinden sich drei rentner, eine frau 40+ und ich! die zwei senioren im vorraum haben sich die „besten plätze gesichert und werden durch den ehegatten der mittvierzigerin von draußen ergänzt.
8:58 uhr.
die anspannung ist nicht mehr zu ertragen. ergreifende blicke der umher stehenden, nervöse blicke auf die goldschimmernde TCM uhr, bald müsste es doch endlich los gehen.
gerangel macht sich bemerkbar, schuhe scharren wie hufe, einer hat durch den grauen star entdeckt, das licht innerhalb der post anging. die massen setzten sich wie herdentiere in bewegung. es sind noch weiter personen zur schlange hinzugekommen, bauernopfer wie sich im nachhinein herausstellen wird. zärtlich aber doch bewusst werden die nun nicht mehr armen und schlaffen ellenbogen ausgefahren. die osteoporose als auch arthritis ist wie weggeblasen.
das ziel ist anvisiert, scheuklappen angelegt, die braune tasche fest in die verknöcherten fingern gekrallt.
9:00 uhr.
die herde setzt sich in bewegung! alles ist vergessen! standesdünkel und disziplin sind aufgehoben, die senioren schieben sich mit den sonst wackligen unteren extremitäten zum eingang. reiben sich am vordermann, die sicherheitszone eines jeden wird verletzt. das ziel wird verfolgt, koste es was es wolle.
jeder kleine platzgewinn ist wertvoll!
es kommt zum supergau..
die frauen und männer drücken sich durch die schmale tür, im hintergrund sind schreie zu hören, keiner hat zeit sich umzudrehen und nach den verletzten zu gucken. sie müssen zurück bleiben, die mission ist wichtiger, der tresen ist angepeilt. die beine trampeln die stimmen beben, ein stimmgewirr entsteht, der vordermann drängt sich vor den hintermann und umgekehrt. die kleine welt steht kopf, schlimmer hätte es im 2. Weltkrieg nicht kommen können, was fällt ihnen denn ein, früher, ja früher hatten wir ja nichts, ja, ich war eine trümmerfrau, ich kenne mich
dann der satz, nachdem sich der vorletzte aus der reihe sich an meine position vorgekämpft hat: „sie bilden sich ja was auf sich ein, keinen respekt, keinen respekt!“
Szene –ZWEI–
Der Einkaufsmarkt!
hellichkeit durchflutet den einkaufsmarkt eines bekannten discounters. obst, gemüse, brot, alles ist schön säuberlich zum verkauf aufgereiht.
in den gassen herrscht zufriedenheit. die bevölkerung ist mit einkaufsgebahren, zettel lesen und anderen einkaufswagen begutachten beschäftigt.
die stimmung ist heiter, ja fast fröhlich schieben die senioren ihren wagen mit den singleabpackungen durch den laden. ein grüppchen endfünfziger unterhält sich am kühlregal über die tochter von edith, die jennifer, welche doch letztens erst und überhaupt, ein nettes mädchen ist…
ein älterer herr fragt die verkäuferin nach den tomatenpackungen, sie antwortet schroff-herzlich mit einer rauchigen stimme. die korpulente auspackaushilfe im lager flitzt mit hochrotem kopf über die hellbraunen fliesen. ihr heller, orangefarbender kittel weht im schritttempo.sehr idyllisch.
es könnte alles so schön sein, die vögel zwitschern, die brotbackanlage piept, die regale sind voll, die sonderposten und schnäppchen sind gekennzeichnet, und, noch nicht vergriffen!
doch drohendes unheil schwärzt den harmonischen einklang zwischen der menschheit.
die zweigliedrige kassenzone ist nur einseitig besetzt! es stehen ca. sieben einkaufswagen in der schlange, welche allesamt scheinbar von azubi christin abkassiert werden, welche die apfelschorle nicht aus der sechserverpackung bekommt.
die tragödie nimmt ihren lauf…
da stellt sich eine seniorin nicht konform von links in die schlange, spekuliert anscheinend auf öffnung der anderen kassenzeile. eine mittvierzigerin steht rechts neben ihr, die blicke sind abgewandt. der Mann tritt hinzu, nein, er fährt vor, will zu seiner frau und den eventuellen kindern, doch die greisin flanscht sich an ihren einkaufswagen, die wässrigen augen spähen zum personal, doch dann….
der mann raunt sie an, will vorbei, welch bosheit bei der jugend. der rauch verzieht sich, ruhe tritt ein. die fronten sind, scheinbar, geklärt.
doch dann, welch irrtum, tritt der fall ein, der jedesmal zu spannungen, krampf- und weinanfällen führt, der mütter zu tieren machen lässt, hausmänner zu kampfmaschinen und die lieben zarten senioren zu wilden bestien.
selbst die katastrophenschutzorganisationen, das bundesseuchenamt und der tierschutz wissen keinen rat diese abgründe menschlicher natur zu beherrschen. ein glück ist bis jetzt niemand bei diesen aktionen verletzt wurden, leichte nervenzusammbrüche und mittelschwere hasstiraden waren bis jetzt die resultate.
die freigewordene kassiererin sprintet vom pausenraum rüber zur noch unbesetzten kasse. hektik breite sich aus, die alte dame hat richtig gesetzt, peitscht ihren wagen zur kasse, UNFALL, nein, wie konnte es zu so etwas kommen…sie fährt dem 40iger ehepaar, die ebenfalls wind von der bevorstehenden öffnung bekommen haben in die seite!
blicke treffen sich, die alte frau schaut weg, das ziel ist wie immer anvisiert, es gibt kein halten. hinter mir breitet sich unruhe aus. wagen drücken sich in meine versen, die nonverbale aufforderung zum weitergehen, zum „etwas muss doch passieren“, oder einfach: „ich will auch was sehen“….
da ist es, das metallische geräusch, wenn einkaufswagen auf die leitplanken der kassenzeile prallen. die alte frau ist eingekesselt. hilfe naht, die seniorin lässt links einen freien spalt für die kassiererin, sie presst sich hindurch, eilt an die kasse, die stimmung kocht!
plötzlich, aus dem hinterhalt entscheidet sich ein senior, der vor dem 40iger ehepaar stand die seiten zu wechseln. nachdem sich der konflikt der seniorin mit dem paar fast gelegt hat und die alte frau, anscheinend mit ihrem unwiederbringbarem charme, den vorrang ergatter hatte, stößt dieser mann vor das paar. erfolgreich wie ich aus sicherer entfernung beobachten konnte. stimmgewirr entsteht, christin muniert immer noch, das sich die milchpackungen nicht „rüber ziehen“ lassen, die kundin lächelt, ist nicht bei christin, nein, sie ist nur durch seichte, hochpolierte alustreben vom geschehen neben ihr getrennt, welch trauma muss sie leiden. die arme.
die helle stimme der 40igerin piepst durch den kassensektor, man solle sich doch nicht so angehen, seien sie doch höflich, wir wissen es ja, kommen sie schon, ist ja gut. schnarrt es. der ältere herr hat es anscheinend geschafft, mit seinem robusten 60+ körper warf er sich zwischen das paar und seine gleichaltrige vorgängerin. man „habe keinen respekt mehr“ und: „müsse sich an regeln halten“ schnoddert der alte herr dem paar entgegen.
dann die erlösung: „senioren, keine zeit! wer weiß wie wir später mal sind?!“ sagt die verkäuferin und lächelt.
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unpolitisch,überparteilich, verfasst unter Berücksichtigung der Würde der Person